Dr. rer. pol. Dominik Graf von Stillfried

Geschäftsführer des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung


  • Seit 2008 Geschäftsführer des ZI
  • 2006-2008 Leiter der Stabsstelle Versorgungsforschung bei der KBV
  • 1998-2006 Leiter des Dezernates Grundsatzfragen bei der KBV
  • 1996-1998 Sachgebietsleiter Managed Care bei der BARMER Ersatzkasse
  • 1995-1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter des VdAK, Abteilung Gesundheitswissenschaften und Grundsatzfragen der medizinischen Versorgung
  • 1991-1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Tübingen, Stiftungsprofessur Gesundheitssystemforschung

Thesen seines Vortrages "Regionale Unterschiede (im Zeitverlauf) und das ökonomische Potenzial einer veränderten intersektoralen Arbeitsteilung:

Die Arbeitsteilung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung unterliegt einem stetigen Wandel. In der gesundheitswissenschaftlichen Literatur wird international auf eine Verschiebung der Leistungsanteile zwischen stationärer und ambulanter Versorgung hingewiesen (sogenannte „Ambulantisierung“ der Medizin). Die Ambulantisierung wird durch den medizinisch-technischen Fortschritt vorangetrieben. Ob und inwieweit diese Möglichkeiten aber zum Tragen kommen, hängt von den Rahmenbedingungen und der Kooperationsbereitschaft der Institutionen vor Ort ab.


Im internationalen Vergleich besteht in Deutschland noch ein vergleichsweise hohes ambulantes Versorgungspotenzial bei den stationären Behandlungsfällen. Mit einer stärkeren Ausschöpfung des ambulanten Versorgungspotenzials verbindet der Sachverständigenrat Gesundheit die Erwartung, dass die demografisch bedingte Ausgabendynamik abgeschwächt werden kann. Die Analyse des Zi zeigt, dass eine Orientierung an den Regionen mit Vorbildcharakter die demografisch bedingten Mehrausgaben halbieren könnte.


Dieses ökonomische Potenzial rechtfertigt es, anhand der bestehenden regionalen Unterschiede in der Arbeitsteilung zwischen der stationären und der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland nach Referenzwerten für einen möglichen Strukturwandel in anderen Regionen zu suchen.


Als Regionen mit Vorbildcharakter (Best-Practice-Regionen) wurden die 5% der Landkreise und kreisfreien Städte mit dem höchsten bereits realisierten ambulanten Versorgungspotential identifiziert und im Hinblick auf strukturelle Besonderheiten beschrieben. Dabei fällt ein deutliches Substitutionspotenzial zwischen der vertragsärztlichen und der stationären Versorgung auf. Im Weiteren wurde vor allem die Struktur vermeidbare Krankenhausfälle nach Regionen untersucht.


Insgesamt zeigt sich, dass Hamburg zu den identifizierten Best-Practice-Regionen gehört. Auf Basis der empirischen Ergebnisse muss der mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz nunmehr eingeleitete Abbau vertragsärztlicher Versorgungstrukturen in Hamburg und anderen Ballungsräumen deutlich hinterfragt werden. Obgleich Hamburg als Referenzregion für andere dienen kann, besteht auch in Hamburg insbesondere bei Notaufnahmen noch Potenzial zur Verringerung vermeidbarer Krankenhausaufenthalte. Ergebnisse einer jüngst veröffentlichten Studie hierzu werden kurz vorgestellt.


Die vorgestellten Befunde sprechen dafür, in der Metropolregion Hamburg jetzt eine gesundheitspolitische Perspektive zur Stärkung der ambulanten Versorgung zu entwickeln, an der sich die Akteure bei ihrer Planung mittelfristig orientieren können.


Die Präsentation des Vortrages finden Sie unter Download Materialien.